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Friday Black - Nana Kwame Adjei-Brenyah

Werbung, Rezensionsexemplar

Brutaler Perspektivwechsel


 „An Orten wie hier musst du dir das Glück schnappen, weil es nicht für alle ausreicht.“

Bei einer Beschreibung wie dieser, würde ich sofort an einen düsteren Ort denken. Einen Ort, an dem es den Menschen schlecht geht und Gutes nur selten passiert. Vielleicht ein Land im Kriegszustand.

 

Nana Kwame Adjei-Brenyah beschreibt hier tatsächlich ein Schlachtfeld. Nur liegt dieses nicht in irgendeiner Wüste im nahen Osten, sondern in den Konsumtempeln der westlichen Industriestaaten.

 

Gleich mehrere der 12 Kurzgeschichten in seinem Buch widmen sich dem Konsumwahn und der Ausbeutung von Arbeitskräften in den Vereinigten Staaten von Amerika in einer fiktiven Zukunft. So auch die titelgebende Geschichte Friday Black, in der es um den auch in Deutschland seit einigen Jahren bekannten „Black Friday“, den „Super-Schnäppchen-Shopping-Tag“, geht. Nur kommen in der Geschichte von Adjei-Brenyah keine Schnäppchen-Freuden vor. Die Szenen, die sich im Shopping-Center abspielen, sind düster, surreal und verstörend. Wie auch diese, sind viele der Geschichten in der Ich-Perspektive verfasst und geben den Leser so die Möglichkeit, sich trotz der Kürze der Texte mit den Protagonisten zu identifizieren, die allesamt Opfer einer völlig aus den Fugen geratenen Welt geworden zu sein scheinen. Hierbei nimmt der Autor ganz unterschiedliche Perspektiven ein. Ist mal Mann, mal Frau. Mal Schüler, mal Verkäufer. Jedoch stets schwarz, ein Umstand der mal mehr und mal weniger im Zentrum des Geschehens steht. Am meisten beeindruckt hat mich hierzu die Story „Die Finkelstein Five“, in der das zentrale Thema die Ungerechtigkeit und der Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung in den USA ist. Das Gerechtigkeitsempfinden des Lesenden wird hier auf eine harte Probe gestellt. 

Die Geschichten dieses Buches malen ein unheimliches und sehr brutales Bild einer möglichen und nicht allzu fernen Zukunft, wobei teilweise auch fantastische Elemente auftauchen. So ist die letzte Geschichte „Durch den Blitz“ eine Art „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Remake für Splatter-Freunde.

 

Alle 12 Geschichten fordern dem Leser einiges an Fantasie und  Nerven ab. Einige Ideen erschienen mir völlig irre, andere waren, obgleich völlig überspitzt, so realistisch geschildert, dass ich mir tatsächlich vorstellen konnte, dass das Geschilderte tatsächlich so passieren könnte. Eine Horrorvorstellung.

 

Nicht alle Geschichten haben mir gleichermaßen gut gefallen, aber aufgrund einiger, in meinen Augen, herausragender Geschichten, ist dieses Buch eine absolute Leseempfehlung für alle Lesende mit starken Nerven.




Titel: Friday Black

Autor: Nana Kwame Adjei-Brenyah

Originaltitel: Friday Black

aus dem Englischen von Thomas Gunkel

erschienen im Penguin Verlag

ISBN: 978-3-328-60129-6

Das Urheberrecht und das Copyright an dem Buchcover liegt beim Penguin Verlag. Bei den hervorgehobenen Textpassagen handelt es sich um Zitate aus dem besprochenen Werk. 

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