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Das eiserne Herz des Charlie Berg - Sebastian Stuertz

Werbung, Rezensionsexemplar

Weniger ist mehr


 

Eigentlich wollte Charlie mit seinem Wildhüter-Opa einen stattlichen Hirsch jagen, wovon sein dauerbekiffter Musikervater natürlich nichts mitbekommen durfte. Dumm nur, dass ein mutmaßlicher Wilderer dazwischenkommt. Und dumm nur, dass ein Schuss nicht nur den Hirsch, sondern auch Opa trifft.

Sein feines Näschen hat Charlie schon in so mancher Situation geholfen. Aber wie soll er aus diesem Schlamassel nur wieder herauskommen?

Dann steht plötzlich auch noch seine attraktive mexikanische Brieffreundin Mayra vor der Tür und auch eine verflossene Liebschaft drängt sich auf unbequeme Weise wieder in sein Leben. Als wenn das alles nicht schon kompliziert genug wäre, droht nun auch noch sein schwaches Herz den Dienst zu quittieren.

 

Seit ich das Buch beendet habe, frage ich mich, warum ich mich eigentlich so schwer tue mit einer Rezension dieses Romans. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Kritikpunkte fallen mir dazu ein. Wenn ich aber an das Gefühl und die Gedanken beim Lesen zurückdenke, waren diese eigentlich größtenteils positiv. Nicht herausragend, aber eben ganz gut. Wenn ich jetzt meine bisher notierten Gedanken darüber lesen, kommt es mir allerdings eher wie ein Verriss vor.

 

 

Zunächst mal liegt dem Roman eine skurrile Idee zu Grunde, im positiven Sinn. Der Einstieg fiel leicht und machte Lust auf mehr. In seinen Debütroman Das eiserne Herz des Charlie Berg hat Sebastian Stuertz auf über 700 Seiten viele bunte Ideen gepackt. Das eigentliche Thema des Buches zu finden und in einem Satz zusammenzufassen, fällt allerdings schwer. Für meine Wahrnehmung waren es eigentlich zwei Geschichten, die jede für sich, etwas ausgeschmückt, prima einen eigenen Roman hätte füllen können.

 

 

Anfangs wie ein Thriller anmutend, findet sich der Leser schon bald in einer Heranwachsenden-Geschichte mit Freundschaft, ersten zarten romantischen Gefühlen, aber auch jugendlicher brutaler Gewalt, Drogen und Sex wieder. Dazwischen immer wieder der irgendwie autistisch veranlagte Charlie, der mal völlig hilflos und mal selbstbewusst und zielstrebig bis skrupellos agiert, was seine Glaubwürdigkeit etwas schmälert.

 

 

Die Geschichte wird in zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. In der Haupthandlung ist Charlie bereits ein junger Erwachsener, der sich auf eine Zivistelle am Meer vorbereitet. Diese wird unterbrochen durch mehrere Rückblenden aus Charlies Kindheit. Die sind aber teilweise so lang, dass für mich als Lesende, die ich nicht 24/7 in meinem Lesestuhl sitzen und lesen kann, die Haupthandlung schon wieder in den Hintergrund gerückt war und ich mich bei jedem großen Abschnitt erst einmal wieder neu sammeln und rekapitulieren musste. An einer Stelle ist die Handlung zum Zerreißen spannend, kurz danach tröpfelt die Story wieder etwas zu langsam dahin.

 

 

Dazu kommt, dass ein paar arg heftige Szenen (Stichwort: Zoophilie), für meinen Geschmack, unnötig sind und daher eher negativ aus der Geschichte herausstechen. Weiterhin sehr negativ aufgefallen ist die Figur der Dr. Helsinki, eine Ärztin, an welche Charlie im Laufe der Geschichte mehrmals gerät. Hier würde ich tatsächlich gerne vom Autor wissen, was er sich dabei gedacht hat.

 

 

Der Schluss des Thriller/Krimi-Teils war pfiffig, die Auflösung der Nebenhandlung um Mayra hat mich allerdings nicht restlos überzeugt. Hier sind noch Fragen offen, würde ich sagen.

 

 

Alles in allem hat mich das Buch, wenn ich nicht tiefer drüber nachdenke, ganz gut unterhalten. Im Resümee bleiben aber vor allem die negativen Punkte in meinem Gedächtnis hängen.

 

 

Etwas weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.




Titel: Das eiserne Herz des Charlie Berg

Autor: Sebastian Stuertz

erschienen im btb Verlag

ISBN: 978-3-442-75851-7

Das Urheberrecht und das Copyright an dem Buchcover liegt beim btb Verlag.

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