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Je tiefer das Wasser - Katya Apekina

Werbung, Rezensionsexemplar

Verkorkste Seelen


Es wäre besser gewesen, diese zwei Menschen hätten sich niemals getroffen, denn Ihre ungesunde Beziehung beeinflusst auch das Leben ihrer Kinder auf tragische Weise.

Das Teenager-Leben der beiden Schwestern Edie und Mae ändert sich radikal. Als ihre alleinerziehende Mutter einen Selbstmordversuch nur knapp überlebt und in eine Psychiatrische Klinik kommt, müssen die beiden Schwestern ihren Heimatort in Louisiana verlassen und zu ihrem, ihnen entfremdeten Vater nach New York ziehen. Dieser ist ein berühmter Schriftsteller und verließ die Familie als die Mädchen noch klein waren. Nur Edie kann sich noch an den plötzlichen Verlust erinnern und ihr Verhältnis zu ihm ist entsprechend angespannt. Sie sieht in ihm einen Grund für die ständige Qual ihrer Mutter. Mae jedoch, die sich von der überfürsorglichen Mutter stets erdrückt fühlte, ist froh, nun von ihr fort zu kommen. Während Mae sich in eine ungesunde und von Abhängigkeit bestimmte Beziehung zu ihrem Vater stürzt, treibt ihr Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl Edie zurück zu ihrer kranken Mutter. Mit fatalen Folgen für die gesamte Familie.

Das Drama von Je tiefer das Wasser der Autorin Katya Apekina beginnt nicht erst mit Edie und Mae, sondern schon mit der Beziehung ihrer zarten Mutter zu dem deutlich älteren Vater. Beide sind abhängig voneinander, wobei nicht ganz klar zu sein scheint, wer wen mehr braucht. Diese toxische Beziehung wird im Buch in Briefen und Erinnerungen von Weggefährten geschildert.

Der Roman gliedert sich in kurze Kapitel, die jeweils aus der Sicht einer handelnden Person, meistens Edie und Mae, geschrieben sind. Hierbei wechselt jeweils auch die zeitliche Ebene, was dem Lesenden eine gewisse Konzentration abverlangt.

Durch die ungeordnete Form der Erzählung, bleibt es an vielen Stellen dem Lesenden überlassen, Zusammenhänge zu erschließen und die bruchstückhaften Details zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Die Autorin baut mit ihrer Erzählweise einen geschickten Spannungsbogen auf und der Leser ahnt, dass es auf eine Katastrophe hinausläuft.

Der Roman hat mich ergriffen, berührt, schockiert und teilweise auch angewidert.

Auch wenn einiges im Ungefähren bleibt, hat mich vor allem die Beziehung zwischen Mae und ihrem Vater extrem mitgenommen.

„Ich hatte ein unglaubliches Talent dafür, Dads Muse zu sein. Und ich brauchte nicht viel Fantasie, um mir vorzumachen, dass seine Gefühle für Mom mir galten, weil ich ihre Zweitbesetzung war.“

Hier eine Trigger-Warnung aussprechen zu wollen, ist vielleicht nicht völlig an den Haaren herbeigezogen. Auch wenn vieles nur ein Hauch von Andeutung ist und ich nie ähnliche Erfahrungen machen musste, waren besonders die Schilderungen von Mae über das Verhältnis zum Vater zeilenweise für mich kaum zu ertragen.

Der Roman handelt aber auch davon, wie eine Katastrophe zur Reinigung und zum Neubeginn führt. Dies wiederum hat mich wieder ein Stück weit mit den Charakteren versöhnt.

Und ich komme nicht umhin mich zu fragen, was denn auch bei diesen Voraussetzungen, die die Schwestern beim Start ins Leben hatten, anderes aus ihnen hätte werden können.

Am Ende bleibt mir vor allem die Tragik dieser ganzen Geschichte im Gedächtnis.

Dieser Roman bot mir ein intensives Leseerlebnis, aber ein LeseVERGNÜGEN war es nicht.




Titel: Je tiefer das Wasser

Autorin: Katya Apekina

Originaltitel: The deeper the water the uglier the fish

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit

erschienen im Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3-518-42907-5 

Das Urheberrecht und das Copyright an dem Buchcover liegt beim Suhrkamp Verlag. Bei den hervorgehobenen Textpassagen handelt es sich um Zitate aus dem besprochenen Werk.

 

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