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Die Gesichter des Meeres - Leena Lander

Werbung, Rezensionsexemplar

Die Gesichter einer Tragödie


Irland, Heiligabend 1895. Vor der Küste von Kingstown läuft der Frachter „Palme“ auf Grund. Neben der Besatzung befindet sich auch die Kapitänsgattin nebst Säugling sowie der als blinder Passagier an Bord gekommene 13-jährige Matias Sahlmann auf dem festsitzenden Schiff. Während die Schiffbrüchigen auf Hilfe warten, kommen 15 Seenotretter bei einem Rettungsversuch in den eisigen Fluten ums Leben. Die Bewohner der Hafenstadt sind traumatisiert. Warum richtete sich das Boot der 15 Unglücklichen nach dem Kentern nicht wieder auf, so wie es dies hätte tun sollen? Lag menschliches Versagen vor oder wurden die Männer mit einem nicht seetauglichen Boot auf das stürmische Meer hinausgeschickt? Die Unglücksuntersuchung gerät zum Krimi, in welchem jede Partei seine eigenen Ziele zu verfolgen scheint und der junge Matias zum Spielball skrupelloser Männer wird. Der Journalist Daniel versucht die verschiedenen Knoten der Geschichte zu entwirren.

 

2012, eine Schriftstellerin aus Finnland recherchiert über das Unglück rund um die Havarie der „Palme“ und muss sich nebenbei auch mit der Vergangenheit ihres schweigsamen Ehemannes auseinandersetzen.

Die Gesichter des Meeres von Leena Lander ist ein Roman, den man nicht mal so nebenbei liest. Der Aufbau, die erzählte Geschichte und der Schreibstil sind durchaus anspruchsvoll.

 

Es tauchen eine Vielzahl von interessanten und vielschichtigen Charakteren auf, deren Handlungen ich als Leserin gerne verfolgt habe. Vor allem die Geschichte um das Kentern des Rettungsbootes und die verschiedenen Positionen und Interessen der einzelnen Handelnden fand ich sehr spannend und interessant. Zudem fand ich die Figur der Kapitänsgattin Elin sehr inspirierend.

 

Leider ist mir der Roman aber in Teilen etwas langatmig und wirr geraten. So verfangen sich die Protagonisten teilweise in seitenlangen Erörterungen von Nebensächlichkeiten, die mit der Handlung rein gar nichts zu tun haben und scheinbar nur der Wissensvermittlung dienen.

 

Dies ist ein kleines Ärgernis, da hier gelegentlich der Spannungsbogen einer im Grunde mitreißenden Geschichte unschön unterbrochen wird.

 

Der zweite Erzählstrang des finnischen Ehepaars lies mich leider ziemlich ratlos zurück. Die Verbindung zur eigentlichen Geschichte des Schiffsunglücks und dessen Folgen hat sich mir nicht erschlossen. Hätte dieser Teil des Buches gefehlt, wäre der Roman für mich als Gesamtheit „runder“ gewesen.

 

Aufgrund der Thematik und des etwas anspruchsvolleren Schreibstils kann ich dieses Buch nur eingeschränkt empfehlen. Für alle Seefahrtinteressierten ist er aber in jedem Fall ein Blick wert.




Titel: Die Gesichter des Meeres

Autorin: Leena Lander

Originaltitel: Kuka Vartijoita Vartioi

Aus dem Finnischen von Stefan Moster

erschienen im btb Verlag

ISBN: 978-3-442-71883-2

Das Urheberrecht und das Copyright an dem Buchcover liegt beim btb Verlag.

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