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Der Bär und die Nachtigall - Katherine Arden

Werbung, Rezensionsexemplar

Russische Folklore im modernen Fantasy-Kleid


 

„Ich bringe den Frost (...). Er ist mein Zorn und meine Warnung. Doch du bist mutig, Dewuschka, und ich verschone dich. Wegen deines Geschenks.“

 

Die Winter sind hart im Norden des mittelalterlichen Landes der Rus. Monatelang fällt hier der Schnee und zerrt der Wind unaufhörlich an Wäldern und Gehöften.

 

In einer der heimeligen, dunklen Küchen erzählt die alte Dienerin Dunja den Kindern Geschichten von Zauberei und dem Winterkönig. Alte Märchen, von deren Wahrheitsgehalt niemand mehr weiß. Nur die junge Wasja ahnt, dass es mehr als Geschichten sind. Denn sie kann die Geister sehen, die ihr Zuhause beschützen. Doch etwas stimmt mit den Geistern nicht. Es geht ein dunkles Raunen durch den winterlichen Wald, denn eine dunkle Magie droht zu erwachen.

 

Noch bevor ich wusste, worum es in dem Roman geht, war ich begeistert von Titel und Cover der deutschen Ausgabe. Sie vermitteln bereits eine Ahnung von der düsteren Stimmung des Werkes.

 

Ich war von der ersten Seite an gefesselt von der Geschichte, die Katherine Arden in ihrem Debütroman erzählt. Beim Lesen war mir, als würde ich mit Wasja durch den Wald gehen. Als fühlte ich den Schnee unter meinen Füßen knirschen und röche den Duft von Nadelbäumen. So atmosphärisch beschreibt Arden vor allem die Szenen im Wald. Obwohl ich kein Wort russisch kann, war ich begeistert von den vielen russischen Worten, die in den Roman eingeflochten werden und die sich wunderbar in den Text einfügen und die Stimmung und das Setting im mittelalterlichen Russland unterstreichen.

 

Da ich von Kindesbeinen an eine Pferdenärrin bin, habe ich mich besonders über die Rolle diverser wunderbarer Pferde in der Geschichte gefreut. Dies noch dazu fern von jeglichem Pferdemädchenromantik-Kitsch.

 

Mit Wasja hat die Autorin eine interessante und starke Protagonistin geschaffen, die in einer strengen patriarchalen Gesellschaft versucht, ihre Familie zu schützen und dabei der traditionellen Rolle der Frau entflieht. Sie lebt in einer Zeit des Umbruchs. Das spürt man auch in den tiefsten Wäldern Russlands und auch der Leser nimmt dies mit jeder gelesenen Seite wahr.

 

Welche Rolle spielt der christliche Glaube und was hat er den Geistern einer viel älteren Macht entgegenzusetzen?

 

Mit „Der Bär und die Nachtigall“ ist Katherine Arden ein wunderbar atmosphärisches und düsteres Debüt gelungen, welches im amerikanischen Original bereits zwei Fortsetzungen erfahren hat, die es hoffentlich auch bald in deutscher Übersetzung geben wird.

 

Ein Muss ist dieser Roman insbesondere für Liebhaber dunkler Märchen und russischer Folklore. Ebenso für Freunde von Schnee und Kälte. Wer es lieber warm mag, kann beim Lesen einen schönen heißen Tee genießen. Für das russische Feeling gerne mit einem Schuss Wodka.

 

Oder wie wäre es gleich mit einem Becher Met? Wasja würde das sicher gefallen.




Titel: Der Bär und die Nachtigall

Autorin: Katherine Arden

Originaltitel: The Bear And The Nightingale

aus dem Amerikanischen von Michael Pfingstl

erschienen im Wilhelm Heyne Verlag

ISBN: 978-3-453-32003-1

Das Urheberrecht und das Copyright an dem Buchcover liegt beim Heyne Verlag.

Bei den hervorgehobenen Textpassagen handelt es sich um Zitate aus dem besprochenen Werk.

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