· 

Der Gesang der Flusskrebse - Delia Owens

"Geh, so weit du kannst - bis dahin, wo die Flusskrebse singen."


“Was heißt`n das eigentlich, wo die Flusskrebse singen? Ma hat das auch immer gesagt.“ … „Das heißt bloß, weit draußen, wo die Tiere noch wild sind und sich benehmen wie Tiere.“

 

Ein ehemaliger Collagefootballstar stürzt von einem Feuerwachturm in den Schlamm des Marschlandes an der Küste North Carolinas. Der Sheriff vermutet einen Mord und die Bewohner der ruhigen Küstenstadt Barkley Cove sind sich einig: Das Marschmädchen war es. Kya Clark, von ihrer Familie verlassen, lebt allein in einer heruntergekommenen Hütte in der Marsch. Niemand kennt die Wälder, Muscheln, Pflanzen und Seevögel besser als sie. Als zwei Männer auf die wilde Schöne aufmerksam werden, verändert sich ihr Leben auf dramatische Weise.

 

Delia Owens entführte mich mit ihrem Debütroman „Der Gesang der Flusskrebse“ in eine mir unbekannte Welt. Diese beschreibt Owens so wunderbar farbenfroh und detailverliebt, dass ich mich darin regelrecht verlieren konnte. Es entstanden beim Lesen so wunderbare Bilder in meiner Fantasie, wie sie nur wenige Bücher hervorbringen können.

 

„Als sie ablegte, wusste sie, dass niemand diese Sandbank jemals wieder betreten würde. Die Elemente hatten ein kurzes und veränderliches Lächeln aus Sand geformt, genau im richtigen Winkel. Die nächste Flut, die nächste Strömung würde eine andere Sandbank gestalten und noch eine andere, aber nie wieder diese hier. Die sie aufgefangen hatte. Die sie das ein oder andere gelehrt hatte.“

Kya bezeichnet die Marsch als eine Freundin und Lehrerin und ich verspürte bereits früh im Buch den Wunsch, diese Freundin und Lehrerin kennenzulernen und ebenfalls, wie Kya, mit einem kleinen Boot durch die Kanäle zu fahren. 

Gleichzeitig kennt Kya auch die Einsamkeit. Eine Einsamkeit, wie sie auch mir bereits begegnet ist. Der Schreibstil der Autorin machte es mir leicht, mich in die Protagonistin einzufühlen.
 

Die Geschichte wird in zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. Dabei bleibt die Kriminalgeschichte bis zur letzten Seite spannend, ohne dass sie im Mittelpunkt der Handlung steht. Man kann dieses Buch daher auch nicht als Kriminalroman bezeichnen.

 

Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden unter schwierigsten Bedingungen, über die Entdeckung des Vertrauens und der Liebe, aber auch über Verlust und Verrat.


Und es ist eine Liebeerklärung an die Natur mit all ihrer Schönheit, aber auch ihrer Geheimnisse und Gnadenlosigkeit, der wir nichts entgegensetzen können.




Titel: Der Gesang der Flusskrebse
Autorin: Delia Owens
Originaltitel: Where The Crawdads Sing
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Erschienen bei Hanser-Literaturverlage, 2019
ISBN: 978-3-446-26419-9

Das Urheberrecht und das Copyright an dem Buchcover liegen beim bei den Hanser-Literaturverlagen.
Bei den hervorgehobenen Textpassagen handelt es sich um Zitate aus dem besprochenen Werk.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0